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Macht euch enkelfähig! Wirtschaftet blauer!

Im neuesten Report des Zukunftsinstituts geht es unter anderem um eine neue Form des Wirtschaftens und Führens, die auch den Tourismus, vor allem die Hotellerie betrifft – auch wenn die Autorinnen und Autoren vom Tourismus nur am Rande sprechen. Darum versuchen wir einige Lehren aus diesem über weite Strecken sehr klugen Report zu ziehen, die dem Tourismus und der Hospitality-Industrie wichtige Impulse liefern können.

Die britische Kommunikationsberaterin Mary Portas spricht von der „Kindness Economy“, einer „freundlichen Ökonomie“, statt der alten Wachstums- und Effizienzökonomie. Die kommende Wirtschaft sei „freundlich“: zu uns selbst, zum Planeten und zu unserem Gewinn – in dieser Reihenfolge. Die Basis dieses Wirtschaftens ist ein neues Wertesystem: Unser Business kann nur noch gedeihen, wenn es fundamental in unseren Lebensmustern verankert ist (und die ändern sich gerade).

Das bedeutet Abschied zu nehmen von der linearen Ökonomie, von „größer, schneller, billiger“. Stattdessen gehe es in Zukunft (oder sollte es zumindest…) um die humanen Grundwerte wie Respekt, Verständnis und Fürsorge. Und zwar im Umgang mit Gästen, Mitarbeitenden, Anwohnern und der Natur. Mary Portas hat einige Shiftbewegungen herausgearbeitet, die fast alle unmittelbar Auswirkungen auf den Tourismus haben:

ICH, ICH, ICH > ICH UND WIR

Junge Leute denken und agieren weniger egoistisch, wollen auch im Urlaub und in ihrer Freizeit nicht auf Kosten anderer ihren „Spaß“ haben. Spaß definieren sie generell anders, weniger hedonistisch als die Boomer-Generation.

SILO-BUSINESS > INTERNE UND EXTERNE VERBINDUNGEN

Ein Hotel ist keine Insel, auch wenn es noch so groß ist. Hotels, vor allem die großen, sind Wirtschaftsunternehmen mit vielfältigen Auswirkungen auf Klima, Umwelt, die Gemeinschaft vor Ort, Mitarbeitende, Lieferanten und Gäste. Und sollten sich dieser Beziehungen und Verantwortungen mehr denn je bewusst sein. Auch im Verhältnis mit den Nachbarn, also Mitbewerbern: Aus Konkurrenten könnten Kooperationspartner werden.

In Wien bringt das Impact Hub Vienna Leute zusammen, die anders wirtschaften wollen. Das Programm RE:WIEN unterstützt Startups, die neue Lösungen für das städtische Leben entwickeln. Vierteljährlich finden Events zum Kennenlernen und zum Finden von Kollaborationspartnern statt. Es gibt auch Workshops und gemeinsame Expeditionen durch die Stadt, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Daraus könnten auch neue touristische Ansätze und Kooperationen entstehen.

PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS > WERTE UND WERTE

Auch wenn der Tourist notorisch preissensibel ist, der Anteil derer, die bereit und fähig sind, für Qualität zu bezahlen, steigt. Und Qualität heißt nicht unbedingt Exklusivität, sondern Werte. Das Gefühl, von Mitarbeitern umsorgt zu werden, die nicht ausgebeutet werden (gar nicht so einfach in einem Luxus-Südsee-Ressort, in einem Alpenressort schon eher). Sie wollen Produkte konsumieren, die nicht um den halben Globus gereist sind, sondern vor Ort erzeugt wurden.

KUNDINNEN UND KUNDEN BEDIENEN > KUNDINNEN UND KUNDEN SOWIE DER GEMEINSCHAFT DIENEN

Indem man nachhaltig wirtschaftet und/oder sich der Gemeinwohlökonomie verpflichtet fühlt. Indem man lokale Handwerker beschäftigt (statt billigere Wanderarbeiter aus dem östlichen Ausland), Produkte lokaler oder regionaler Erzeuger einkauft.

FINANZIELLES WACHSTUM > SOZIALER UND FINANZIELLER IMPACT

Man sollte vermehrt über Mitarbeiterbeteiligungen nachdenken und der Staat muss dafür die Steuerrichtlinien anpassen. Das dient nicht nur der Mitarbeiterbindung, sondern könnte auch ein neues Denken befeuern, eine neue Führungskultur, einen neuen Umgang miteinander.

HARD SKILLS > HARD UND SOFT SKILLS

Im Tourismus längst gelebt Wirklichkeit. Jeder gute Hotelier weiß, dass ihm letztendlich nicht ein perfektes Revenuemanagement das Haus voll macht, sondern ein freundliches und motiviertes Team an der Rezeption, auf Etage, im SPA und im Restaurant.

CLAIMS > HANDLUNGEN (ROLE-MODEL-KULTUR)

Die Zeiten der Big Guys im Tourismus, die über Jahrzehnte alles vor Ort aufgekauft haben, was man zu Geld machen kann, könnte bald vorbei sein. Was wir jetzt brauchen sind Menschen, die mit ihrem Besitz klüger umgehen, langfristiger denken und mehr Beteiligungen oder Benefit für alle vorsehen.

WIRTSCHAFTEN MIT LEIDENSCHAFT

Der US-amerikanische Journalist und Autor Adam Davidson spricht von der „Passion Economy“ und stellt dafür ein paar Grundüberlegungen an:

  • Skaliere persönliche Beziehungen.
  • Der Preis sollte den Wert widerspiegeln, den du anbietest.
  • Erzeuge nur Werte, die nicht einfach kopiert werden können.
  • Wenige überzeugte Kunden sind besser als viele unsichere.
  • Technologie sollte dein Geschäft unterstützen, nicht antreiben.
  • Leidenschaft ist eine Story!
  • Bleibe niemals im Produkt-Geschäft, selbst wenn du das anbietest, was andere ein Produkt nennen.

Mittlerweile gibt es auch ein neues Label (an Labeln hat es ja noch nie gemangelt), das Unternehmen, die in diese Richtung denken und wirtschaften, auszeichnet: “B Corporations”: „B“ steht für Benefit, also Inklusion, Impact und Innovation. Die „Declaration of Interdependence“ des B-Corp-Labels verlangt, dass „jedes Business so gestaltet werden sollte, dass Mensch und Ort wichtig sind“, auch nachfolgende Generationen, man muss also „enkelgerecht“ denken und wirtschaften.

Unternehmen, die das Siegel bereits tragen, sind noch nicht zahlreich, aber durchaus namhaft, rund um den Globus verteilt und auch im Tourismus verankert: Die Freizeitmodefirma Patagonia, die Brauerei New Belgium in Colorado, ein Portweinproduzent (Symington) in Porto, Reiseveranstalter aus den USA, eine Hotelkette (Carlóta) in Ecuador.

Mary Portas macht einen Unterschied zwischen Unternehmen „who don’t give a fuck“ (Amazon, Google, Tele-Unternehmen, einige Banken, Ölfirmen) und Unternehmen „Who give a fuck“ (sie nennt als durchaus überraschendes Beispiel Unilever, wo ein komplettes Umdenken stattfinde). Das Engagement für die Gesellschaft kann man zum Beispiel dadurch deutlich machen, dass man eine „Atomwährung“ ausgibt wie in einigen Gemeinden in Japan.

Das ist eine „freundliche“ Alternativwährung, die auf Revitalisierung von Gemeinden zielt. Man kann sie durch alle möglichen freundliche Taten erwerben und in beteiligten Geschäften und Restaurants einlösen, die alle dazu beitragen, die örtliche Community zu stärken.

Heruntergebrochen auf den Tourismus könnte man sich zum Beispiel vorstellen, dass man während seines Aufenthaltes durch „freundliches“ Verhalten solche „Atome“ bekommt: Man lässt das Reinigen des Zimmers ausfallen, man checkt online ein und erspart der Rezeption Arbeit, man lässt nicht beim Frühstücksbüffet die Hälfte am Teller zurück.

GENOSSENSCHAFTEN UND GEMEINWOHLÖKONOMIE

Business Angel Stephan Grabmeier preist im Zukunftsreport das Comeback der Genossenschaften: „Genossenschaften stehen als Wertegemeinschaften ihrer Mitglieder für kooperatives und solidarisches Wirtschaften in Reinkultur. Werte wie Selbstverantwortung, Demokratie, Ehrlichkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Vertrauen spielen eine zentrale Rolle – und klingen wie eine Blaupause für die Idee des ‚enkelfähigen‘ Wirtschaftens. Kein Wunder, dass Genossenschaften heute eine Renaissance erleben.“

2016 zeichnete die UNESCO die Genossenschaftsidee und -praxis als immaterielles Kulturerbe der Menschheit aus. Weltweit gibt es heute rund 3 Millionen Genossenschaften mit mehr als 1 Milliarde Mitgliedern. In Zürich haben Genossenschaften von künftigen Bewohnern das grassierende Wohnungsproblem etwas lindern können. Immer mehr Einkaufsgenossenschaften umgehen das monopolisiernde System der Supermärkte.

Sogar die Wirtschaftskammer propagiert das Modell als neue Form der Zusammenarbeit: „Sie sind schon erfolgreich als UnternehmerIn tätig und möchten gerne Projekte mit anderen Unternehmen gemeinsam umsetzen, aber selbständig bleiben oder Synergien mit anderen Unternehmen nutzen? Sie sind auf der Suche nach einem Modell des kooperativen Arbeitens, das Sie dabei unterstützt und einfach umzusetzen ist?“, schreiben sie unter dem Titel „Kooperation und Genossenschaft! Ein Modell für EPU und KMU?“.

Oder die Idee der Gemeinwohlwirtschaft nach dem Motto: „Gut leben in einer Welt, in der die Wirtschaft im Einklang mit ethischen Werten ist“. Auch österreichische Hotels wie das Henriette (ex Das Capri) in Wien oder der Hochschober auf der Turracherhöhe haben sich der Gemeinwohlwirtschaft verschrieben und veröffentlichen regelmäßig Gemeinwohlberichte.

NEUE FORM DER FÜHRUNG

Grabmeier spricht von der Impact Economy: „Die Impact Economy ist die Gestaltung einer Wirtschaft, in der es nicht darum geht, zu gewinnen oder zu verlieren, sondern möglichst lange mitzuspielen. Unternehmen, die Impact erzeugen, haben Unternehmensführungen, die Verantwortung in einer ökologischen sozialen Marktwirtschaft übernehmen. „Sie sind Vorboten einer nächsten Wirtschaft, die konsequent auf die konkreten Probleme der Menschheit ausgerichtet ist.“

Die Impact Economy denke die Herausforderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt radikal neu. Und bedient dabei auch drei Schlüsseltrends für das Wirtschaften von morgen:

  • Glokalisierung: kurze Wertschöpfungsketten, Produkte bekommen wieder eine Ursprungsgeschichte.
  • Co-Individualismus: Das neue WIR. Vor allem junge Leute wollen nicht „nur“ Karriere machen, was sich dann vor allem materiell auswirkt. Sie richten sich zunehmend an persönlichen Sinn- und allgemeinen Gemeinschaftsfragen aus. Das betrifft nicht nur Gäste, sondern vor allem auch Mitarbeiter. Das bedeutet, man muss über neue Entlohnungssysteme nachdenken, Mitarbeiterbeteilungen, Genossenschaftsmodelle, auch einer möglichen Beteiligung der Menschen vor Ort (Token-Gesellschaften). Der große Zampano vor Ort, dem alles gehört (Hotels, Restaurants und gleich noch die Seilbahn) hat bald ausgedient. Oder muss seine Rolle neu definieren.
  • Blue Shift: Die Diskussion um die Klimakrise hat gezeigt: Verzicht wird nicht das Modell der Zukunft sein, also das alte grüne Denken, wir müssten nur weniger konsumieren, fliegen, essen, ausbeuten und alles wird besser. Das geht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei, also der konsumierenden. Wir sollten zukunftsorientiert denken: Dass bedeutet „blau“ statt „grün“. Wir werden nicht verzichten müssen (ok, vielleicht ein bisschen, vor allem alte Bequemlichkeiten überdenken), wir werden vor allem Dinge anders machen, besser (blau) und damit unsere Lebensqualität erhöhen. Nix Steinzeit, nix „mit Dreißig muss man ein Haus gebaut haben“.

Dazu wird nötig sein: Eine neue Führung, die „sanfte Kunst des Umdenkens“ (Paul Watzlawick). Es geht nicht mehr um Hierarchien, sondern um Beziehungen. Eine neue Beziehung das „Kapitals“ zur Gesellschaft, zur Natur und zu Individuen (Gästen und Mitarbeitenden). Es baut sich ein ethischer Druck auf. Mitarbeitende werden zu Mit-Akteuren und Mit-Unternehmenden. Auch die Bewohner können dazu werden, durch Beteiligungen, nicht nur an Windkraftwerken im Ort, sondern auch an Hotels oder Liftanlagen.

Es gibt viele „Over-Branchen“ in einem „erschöpften Kapitalismus“, wo immer mehr vom Gleichen angeboten wird. Das betrifft nicht nur die Telekom-, Auto- oder Homentertainmentbranche, sondern auch die Freizeitwirtschaft: Pauschalurlaub an den immer gleichen Stränden, Skifahren in immer größeren Skigebieten, Übernachten in immer gleichen Hotels der immer gleichen Ketten (Das Hilton-Prinzip), Essen in einer immer gleicheren Systemgastronomie, auch wenn sie sich Mühe gibt zumindest designmäßig Unterschiede zu setzen (Vapiano, L’Osteria, sämtliche Burgerketten):

Das ist eine Anspruchserfüllung von gestern. Das geht auch anders, individueller, fairer, werteorientierter, kooperativer, blauer.

Bild: Pixabay
Beitrag: Thomas Askan Vierich
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