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Post Covid weltweit

Wie steht es mit dem Tourismus? Nicht bei uns, sondern weltweit? In einem Panel des Club Tourismus berichteten Tourismusexperten aus Bali, Mallorca, Teneriffa, Costa Rica und Florida. Quintessenz: Man könnt scho a bisserl neidisch werden.

Wenn man einen aktuellen Blick auf die Stimmung bei deutschen Reisenden wirft, kann man sagen: Sie wollen reisen und haben auch (noch) Geld dafür. Aber je mehr man in Deutschland vom Krieg in der Ukraine berührt wird, desto stärker sinkt die Reiselaune. Besonders in Berlin sind die Buchungen sprunghaft zurückgegangen. Die haben jetzt andere Sorgen.

Indonesien

Der indonesische Botschafter in Deutschland berichtete von den atemberaubenden Fortschritten, die sein Land, speziell auf der Insel Bali, vollbringt. Und nicht nur im Tourismus. Indonesien setzt voll auf die digitale Wirtschaft, man ist schon jetzt in Südostasien führend. 2021 gab es hier einen Zuwachs von 4 Milliarden Dollar Umsatz. Auch Bali baut man jetzt zum Hotspot für Start-ups aus – mit deutscher Hilfe.

Nach der nicht enden wollenden Reihe von Terroranschlägen hatte man schon 2018 an höchster Stelle überlegt, wie man die indonesische Wirtschaft krisensicherer machen könnte – auch den Tourismus. Und man wollte sich, speziell auf der Touristeninsel Bali, aus der Abhängigkeit vom Tourismus befreien, den die Terroranschläge in Indonesien gefährdet hatten. Die ein Jahr später ausbrechende Pandemie hat die Entscheidungsträger auf ihrem Weg nur bestätigt.

Bali nimmt eine Aufwärtsentwicklung in vielen Belangen

Man setzt jetzt auf eine Wiederbelebung des Handwerks, alter Traditionen – nicht nur auf IT-Start-ups. Man bietet jungen Leuten, den Digital Nomads, mehr als ballermannartige Strände (von denen hat man auch welche, davon will man wegkommen): optimale Bedingungen für längere Aufenthalte: work away from home – bei schönem Wetter und in wunderbaren Landschaften.

Und der Tourismus kann gerne ab sofort durchstarten: „We are open for business“, sagt der Botschafter – zumindest für 42 Länder weltweit (inklusive EU). Voraussetzungen: PCR-Test und 24 Stunden Quarantäne nach Einreise, dann könne man überall hin, auf jede Insel. Möglich macht das eine sehr niedrige Infektionsrate, die noch dazu schnell sinkt.

Man möchte den Tourismus mit der Landwirtschaft und Handwerkstraditionen verbinden. Weil das die Leute interessiere. Zum Beispiel hat man alte Holzsegelschiffe, die traditionell zwischen Bali und den umgebenden Inseln als Frachter verkehrten, zu kleinen Hotelschiffen mit wenigen Zimmern ausgebaut. Ein echter Hit!

Das Wirtschaftswachstum wächst in Indonesien aktuell um 5 Prozent – mehr als im Vor-Pandemiejahr. Und man setzt auch auf Bali zunehmend auf Qualitätstourismus und will die Bio-Energie ausbauen. Man hat große Werbeträger ins Land geholt: Denn Autorennsport und im November 2022 den G20-Gipfel.

Costa Rica

In Costa Rica, das im nachhaltigen Tourismus weltweit führend ist, ist seit August 2020 (!) alles offen. Man hatte nur von März bis August 2020 einen Lockdown. Seit Dezember 2021 braucht man bei der Einreise auch keinen PCR-Test mehr. Im April werden alle Coronarestriktionen fallen. Carolina Trejos, Marketing Direktor des Costa Rica Tourism Board, nennt die Gründe dafür: Ein ausgezeichnet ausgebautes Gesundheitssystem und 90 Prozent der Bevölkerung sind dreimal geimpft. Man könne alle Infektionen zurückverfolgen und habe dabei festgestellt, dass der Tourismus nichts zum Infektionsgeschehen beitrage. Das sagt sie vor dem Hintergrund, dass der Tourismus im kleinen Costa Rica wirtschaftlich sehr wichtig ist – noch wichtiger als bei uns.

Als der indonesische Botschafter seine neue Zielgruppe der Digitalen Nomaden erwähnt, kann Carolina Trejos nur müde lächeln: „Die kommen zu uns schon seit Jahren – vor allem aus den USA. Neu sei, dass jetzt die Gesetzgebung zu ihren Gunsten geändert werde: Touristenvisa werden von drei Monaten auf zwei Jahre verlängert. In Costa Rica ein Konto zu eröffnen wird erleichtert. Sie betont, dass für ihr Land der Tourismus sehr wichtig sei, auch weil er Entwicklung und Bildung bis ins Hinterland bringe.

Florida

„If you get a choice, why not live in paradise?”, zitiert Tamara Pigott von den Fort Myers Islands Beaches and Neighborhoods in Florida einen Werbeslogan ihres Bundesstaates. Auch sie hat die Leute im Blick, die gerne far away from home arbeiten und nicht nur urlauben. Während der Pandemie waren das viele New Yorker und andere Großstädter aus dem Norden. Für die ist das Leben auch günstiger im Sonnenstadt als in ihren Ballungsräumen.

Manche sind gekommen, um zu bleiben. Die Population von Florida habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Und der Tourismus startet gerade durch. Ab 28. März gibt es wieder Direktflüge aus Frankfurt/Main und die Nachfrage aus Europa sei sehr groß. Das liege auch daran, dass es in Florida kaum noch Coronarestriktionen gebe. „Bei uns kann man sehr viel Outdoor unternehmen, 73 Prozent der Erwachsenen sind geimpft und 50 Prozent der Jugendlichen.“ Die Impfung der Kinder sei gut angelaufen. 2021 habe es einen Lockdown gegeben, der sei hart gewesen. Auch fehlten jetzt Mitarbeiter im Tourismus.

Teneriffa

Auch Teneriffa ist touristisch back in business. Die spanische Coronapolitik sei sehr flexibel, sagt Pia Louw, Chefin der Teneriffa Tourismus Werbung. Touristen müssten ausnahmslos geimpft sein. Die Einheimischen seien es eh, man habe eine niedrige Infektionsrate und bald fielen die Masken. Seit Juni 2020 sei sowieso schon alles offen, Shopping Malls und Restaurants. Touristen aus der EU dürften schon länger einreisen, aus Drittländern nicht. Ihre Prognose für 2022 ist sehr positiv. Nur die Auswirkungen des Ukrainekriegs machen ihr Sorgen. Teneriffa ist natürlich auf einen friktionslosen Flugverkehr angewiesen.

Außerdem war Teneriffa bei osteuropäischen Touristen sehr beliebt. Die Russen fehlten schon seit zwei Jahren (Drittland), aber jetzt fürchtet sie, dass auch die Slowaken, Ungarn und Polen nicht kommen, weil die angesichts der Hilfe für die Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland gerade andere Sorgen haben als an Urlaub zu denken.

Und sie fürchtet den türkischen Mitbewerber. Dort fallen auch die Russen aus und die würden sich jetzt nach neuen Zielgruppen umsehen, die wiederum mit denen von Teneriffa oft deckungsgleich seien. Übrigens nimmt Teneriffa auch Flüchtlinge auf, aber es seien noch nicht viele angekommen. Sie rechnet damit, dass Ostern voll sein wird und auch der Sommer sei schon gut gebucht.

Auch Pia Louw setzt auf die Digitalen Nomaden aus Europa. Teneriffa könne das ganze Jahr aufgrund der südlichen Lage mit langen Tagen punkten, da könne man auch noch abends an den Strand. Das ist auch der Grund, warum die Filmcomission von Teneriffa immer mehr Filmproduktionen auf ihre Insel lotsen kann.

Mallorca

Auch auf Mallorca ist man sehr optimistisch: Während man Ostern vor einem Jahr die Touristen noch einzeln zählen konnte, erwartet Pedro Holmar von der Palma 365 Foundation, die sich um die Vermarktung der Insel kümmert, an Ostern 2022 ein „normales Geschäft“. Insgesamt seien die Buchungen für 2022 schon jetzt besser als vor der Krise. Auf Mallorca gebe es eine niedrige Inzidenz und keine Restriktionen mehr, bald fallen auch hier die Masken.

Die Touristiker auf Mallorca blicken optimistisch in die Zukunft

Grund dafür sei eine Impfrate von 85 Prozent. Auch er fürchtet aber Auswirkungen des Ukrainekriegs – besonders wirtschaftlich. Osteuropäische Touristen wären aber nie ihre Klientel gewesen. Aber er fürchtet die Billigkonkurrenz in der Türkei.

Pedro Holmar erzählt, dass man die Pandemie als Zeitenwende im mallorcinischen Tourismus sehe. Die Destination wolle jetzt gegen den Ballermann-Tourismus vorgehen, der drohe das Image von Mallorca zu beschädigen und an dem man auch bis auf wenige nicht wirklich etwas verdiene. Die Touristiker würden jetzt auf Qualitätstourismus setzen – auch am Playa de Palma. Man will die Zimmerzahlen strikt limitieren, man macht es den einschlägigen Lokalen schwer, verbietet ihnen so weit als möglich ihr bisheriges Geschäftsmodell. Man setzt auf 3-, 4- oder 5-Sternehotels. Und die fördere man. Die anderen nicht. Wer da nicht mithalten könne oder wolle, müsse dicht machen. In fünf Jahren, verspricht er, sei der Ballermanntourismus Geschichte.

Weg mit den Billigtouristen

Apropos Qualitätstourismus: Da sind sich alle einig, das ist ihr großes Ziel. Auch Teneriffa hat ja so seine Probleme mit dem Billigtourismus – wenn auch etwas weniger als Gran Canaria. Pia Louw berichtet, dass einige der „hässlichen“ Apartmentblocks jetzt umgebaut werden. Es seien zwar immer noch große neue Projekte in Planung, aber die seien schon Richtung Qualität und Nachhaltigkeit ausgerichtet. Sie setzt auf das working far from home, „davon brauchen wir mehr“. Aber sie kann und will auch nicht die Tour Operators verprellen. Es ist also eine Gratwanderung. Sie rät den Reiseveranstaltern, auch für Teneriffa neue Zielgruppen anzusprechen.

Schon immer nachhaltig

Da hat es Costa Rica leichter. Hier hat man nie auf Billigtourismus gesetzt, sondern schon seit Jahrzehnten auf nachhaltigen Urlaub. Wie Carolina Trejos betont: auf „nachhaltiges Geschäft“. „Wir sind ehrlich, glaubwürdig und diszipliniert, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wir sind zu klein für den Massentourismus. Mit konsequentem Qualitätstourismus konnten wir höhere Preise durchsetzen. Dabei hat uns die Pandemie sogar geholfen.“

Sogar in Florida setze man auf Nachhaltigkeit, behauptet Tamara Pigott. „Wir haben begrenzte Ressourcen, alles konzentriert sich auf unsere Küsten. Da wollen alle hin: Investoren und Touristen. Aber es soll nicht alles so werden wie in Miami Beach oder Fort Lauderdale.“ Deshalb wird jetzt der Naturschutz massiv ausgebaut. „Wir müssen unser Produkt diversifizieren, die Touristen weg von den Küsten ins Hinterland bringen. Tourismus darf sich nicht nur um Strand und Wasser drehen. Wir haben mehr zu bieten als das.“ Ein Problem sei auch, dass alle im Winter kommen. Das kennt man auch aus Österreich. Also setzt man auch in Florida auf eine Erweiterung der Saison. Das sei aber durchaus eine Herausforderung. Genauso wie die Instagramer, die die Touristen immer an die selben Hotspots leiten.

In Indonesien setzt man auf eine Steigerung der bislang eher reiseunlustigen Einheimischen. Auf Bali müsse man auch weg vom Billigtourismus. Da gebe es vergleichbar mit dem Ballermann auf Mallorca auch Hotspots für junge Leute vor allem aus Australien, die hier Party machen und wenig Geld dalassen. Ein Problem in Indonesien sei auch, dass man das Meiste auf die touristischen Inseln importieren müsse, sogar Lebensmittel.

Viel Zuversicht

Alle sind sich einig, dass sie optimistisch in die touristische Zukunft gehen können. Costa Rica verzeichnet bereits seit November 2021 gute Zahlen. In Florida geht man ebenfalls von einem guten Jahr aus, vor allem dank inländischer Touristen. Auf Teneriffa seien die Zahlen schon jetzt besser als 2019, man fürchtet aber allerlei Unwägbarkeiten. Pedro Holmar aus Palma de Mallorca hofft, dass man aus der Pandemie wirklich etwas gelernt habe und dass auch die Touristen künftig sensibler und rücksichtsvoller mit seiner Insel umgehen.

Der Einzige, der sich zumindest touristisch nicht so optimistisch geben möchte, ist Arif Havas Oegroseno, der indonesische Botschafter: „Travelling is irrational, but it’s in our genes“, sagt er. Er bemühe sich aber, optimistisch zu sein. Er rechnet mit einem Aufschwung. Aber vielleicht noch nicht 2022. Covid sei noch nicht vorbei.

Lehren für Österreich

  • Impfen, impfen, impfen! Und bist du ohne Grund nicht willig, wirst du am Ende gezwungen. Die Zahlen müssen runter. Wo anders sind sie das bereits. Und der vorsichtige Tourist vergleicht. Es ist längst nicht ausgemacht, dass im Herbst nicht die nächste Welle kommt. Wie auch nicht ausgemacht ist, dass die jetzige wirklich rasch abebbt und uns einen „Sommer der Freiheit“ beschert. Kann sein, dass der wo anders gefeiert wird – aber nicht bei uns.
  • Weg vom Billigtourismus. Es wird wie auf Mallorca auch bei uns zu einer Bettenreduktion in den unteren Segmenten kommen (müssen). Auch bei uns wird sich Qualitätstourismus durchsetzen (müssen). Mit Hotel Garni-Konzepten ohne zündende Idee wird man nicht mehr weit kommen. Aber wohl mit alternativen Übernachtungsmöglichkeiten. Von denen haben die zitierten Touristiker nicht gesprochen.
  • Urlaub auf dem Bauernhof? Gibt‘s auf Mallorca oder Teneriffa nicht wirklich, vielleicht in Costa Rica, sicher nicht Florida. Wohnen im Baumhaus, unter Sternen, Glamping? Gelebte Regionalität? Auch da können wir ganz vorne mitspielen. Das sollten wir noch mehr in den Vordergrund stellen. Punkten wir mit unseren Stärken. Nachhaltigkeit? Können wir auch, machen wir auch schon. Können wir aber noch besser drin werden.
Bilder: Pixabay
Beitrag: Thomas Askan Vierich
24. März 2022
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