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Wie geht es weiter im Tourismus?

Die Lage bleibt unübersichtlich. Punktuell werden trotz Corona-Restriktionen ganz gute Umsätze gemacht. Aber eben nur punktuell. Die Stadthotellerie hat weiter zu kämpfen, der internationale Markt ist weiter angeschlagen. Die Nachrichten von Verletzungen der Covid-Auflagen aus den österreichischen Winter-Hotspots häufen sich, mit Strafzahlungen und Rückzahlungen von Covid-Hilfen ist zu rechnen.

Es dürften auch einige Betriebe überfördert worden sein – müssen sie mit Rückzahlungen rechnen? Mitarbeiter, vor allem gute, sind nach wie vor schwer zu bekommen. Die Einwanderungspolitik der Bundesregierung macht keine Hoffnung auf eine relevante Öffnung des Marktes für Drittländer.

Der Ruf der Tourismusbranche ist angeknackst. Alle reden davon, dass der Tourismus grüner werden muss. Nur wie? Auch das kostet Geld. Ist der Gast bereit dafür mehr zu bezahlen? Punktuell und im höheren Preissegment vielleicht. Aber auch in der breiten Masse?

Auch die Gästeansprüche verändern sich. Ist die Branche darauf vorbereitet? Kennt sie diese neuen Ansprüche, vor allem der jüngeren Generation, überhaupt?

Unser HOGAST-Partner, die Prodinger Tourismusberatung, hat in ihrem Ausblick auf das Jahr 2022 einige entscheidende Punkte umrissen, worum es jetzt geht:

Zahlreiche Betriebe sind inzwischen wirtschaftlich schwer angeschlagen. Viel Eigenkapital wurde in den letzten Jahren verbrannt. Um auch künftig mithalten zu können, braucht es neue Ideen und Anpassungen, vom Angebot bis zur Betriebsführung.

1) Drohende Betriebsprüfungen: Diese werden laut Prodinger „neue Dimensionen“ erreichen… Es gehe um eventuelle Rückforderungen von Hilfsgeldern bzw. um „bestimmungswidrige Verwendungen“. Hat der Betrieb mit den Hilfsgeldern sein SPA renoviert? Durfte er das? Die Richtlinien lassen hier „viel Interpretationsspielraum“ offen.

2) Das „Drama der zu geringen Eigenkapitalquoten“: Das betrifft vor allem kleinere Betriebe. Prodinger schlägt hier eine bis Jahresende befristete Übergangsregelung vor, wonach das Vermögen (der stillen Reserven) steuerlich begünstigt wird. Auch für viele anstehende Betriebsübergaben wäre das eine wesentliche Erleichterung.

3) „Branchenflucht“: Während der diversen Lockdowns haben viele Mitarbeiter die Branche verlassen. Kann man sie wieder zurückholen? Angesichts drohender neuer Virusvarianten und einer weiter hilflosen Coronastrategie („Fahren auf Sicht“, „Impfpflicht light“) inklusive Lockdowns und Restriktionen, die keiner ausschließen kann, wird man ihnen keine Perspektive bieten können. Auch nicht mit starren Hierarchien und Greenwashing. Hier müssen die Arbeitgeber komplett umdenken.

Und sich nicht nur – wie Prodinger hofft – auf höhere Preise verlassen. Dienstleistung kostet Geld, aber um die Bereitschaft bei den Gästen dafür höhere Preise zu bezahlen wirklich durchsetzen zu können, braucht es mehr als 50 Cent mehr für‘s Bier oder zehn Euro mehr für’s Zimmer. Viele machen jetzt schon die Gastronomie für die Inflation mit verantwortlich (natürlich zu Unrecht, aber was schert’s den Gast).

Also muss man auf sichtbare und spürbare Qualität setzen – in allen Bereichen. Dazu zählt auch gelebte Nachhaltigkeit, die nicht nur behauptet werden darf, sondern auch für den Gast sichtbar und erlebbar sein muss. Zum Beispiel durch eine glaubwürdige Erklärung, wo sein Essen herkommt, wer die Lieferanten des Betriebs sind, wo die Hotelwäsche gewaschen wird, wer auf Etage arbeitet (eben nicht eine anonyme Zeitarbeitsfirma, sondern echte Menschen mit echtem Engagement).

Folgende konkrete Maßnahmen werden vorgeschlagen:

  • Positives und förderndes Arbeitsklima durch definierte Teamziele, Ideenförderung, Teamevents;
  • Gute und transparente Kommunikation;
  • Faires Gehalt auch mit Bonifikationen und Beteiligungsmodellen;
  • Mehr Freiraum und Mitbestimmung bei der täglichen Arbeit;
  • Work-Life-Balance mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und Remote-Work. Hier muss man aber ergänzen, dass die Politik nach wie vor säumig ist, Eltern genügend Kindergartenplätze zur Verfügung zu stellen, vor allem am Land, vor allem dort, wo der Tourismus stattfindet – eigentlich ein Skandal vor allem in einem „Tourismusland“ wie Österreich. Auch die theoretisch mögliche Väterkarenz wird in Österreich noch viel zu wenig genutzt (und akzeptiert, vor allem unter Männern).

4) Nachhaltigkeit darf kein „Werbeschmäh“ sein, schreiben Prodinger. „Sie ist nicht das Ziel, sondern ein permanenter Weg“. Allerdings ein durchaus mühsamer. Aber wenn die Betriebe ihre Mitarbeiter und auch ihre Gäste mit auf diesen Weg nehmen und ihre Maßnahmen transparent machen, wird er vielleicht weniger mühsam, vor allem wird er belohnt. Mit treuen Mitarbeitern, die sich mit ihrem Betrieb identifizieren, und mit Gästen, die diese Anstrengungen mit höheren Preisen und ebenfalls Treue zum Betrieb honorieren.

5) Neue Ideen: naturnahe Beherbergungsformen wie Glamping (Camping mit Anspruch und Service), Tiny Homes mitten in der Natur, Baumhäuser, Erdhäuser, noch mehr Urlaub auf dem Bauernhof (mit professionellem Service), Hotels aus Holz, die Verwendung natürlicher Materialen von der Architektur des Hauses bis hin zur Bettwäsche oder dem Besteck (essbare Trinkhalme!).

6) Neue Trends aufgreifen: Derer gibt’s genug: Workation (Arbeit und Urlaub mit der Familie verbinden), Staycation (längere Aufenthalte, Urlaub in der eigenen Stadt), hybride Events (Online und Offline, Konferenzen mit Urlaub verbinden), Digital Detox (Urlaub ohne Handy, ohne Siri, ohne Laptop), autofreier Urlaub, noch mehr Service beim Buchen, Ein- und Auschecken, Bezahlen (hier spielt die Digitalisierung wieder ein große Rolle – aber eben nicht unbedingt am Zimmer oder während des Urlaubs).

Ob sich „Robokellner“, wie von manchen prognostiziert, durchsetzen werden, halte ich für unwahrscheinlich. In der Küche vielleicht schon, hier können sie auch das Mitarbeiterproblem lösen. Aber sicher nicht im Service – auch nicht beim Zimmerservice. Das mögen manche Gäste mal ganz originell finden, auf Dauer möchten sie aber doch mit echten Menschen zu tun haben (vielleicht sogar beim Ein- und Auschecken?).

Vegan, vegetarisch, Free-from hat sich vor allem im urbanen Raum bereits durchgesetzt – ob der Markt noch viel Potenzial hat, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Hier kommen und gehen die Trends besonders schnell („Bubbletea“). Aber „gesunde Ernährung“ hat sicher noch Potenzial, auch die viel beschworene „Regionalität“ könnte man noch konkreter als bisher umsetzen. Auch in der Kombination von Handwerk, Kulinarik, wiederbelebten Traditionen mit dem Urlaubserlebnis gibt es noch viel Luft nach oben.

Hier ist Fantasie gefragt und der Blick in andere Länder wie Italien, wo das Thema Wein und Kulinarik und Kultur sehr innovativ umgesetzt wird. Auch das Prinzip „Albergo diffuso“, also die Zusammenarbeit eines ganzen Dorfes in Hinblick auf einen sanften Tourismus, harrt in Österreich noch der Umsetzungen. Das hat auch im urbanen Raum Potenzial, in Wien wird es bereits seit Jahren umgesetzt.

7) Kenne deine Gäste: Was suchen „Best Ager“? Sicher keine „seniorengerechte“ Angebote, aber manche durchaus barrierefreie. Was will die Generation Y und Z? Sie haben weniger Geld als die „Best Ager“, aber umso mehr Ansprüche: Digitale Angebote, die funktionieren und gratis sind, neue Erlebnisse, die „Sinn“ machen: Urlaub als Stilübung, als Weg zur Selbsterkenntnis. Das geht über ein möglichst großes Skigebiet, beheizbare Sessellifte und eine Sauna im Haus weit hinaus. Auch „Wandern“ oder „Radfahren“ allein ist da noch zu wenig.

8) Kosteneffizienz: Das fängt bei den Energiekosten an: Alternativen wie Solarstrom oder Erdwärme verursachen hohe Investitionskosten, rechnen sich aber auf Dauer. Auch über die Flächeneffizienz muss neu nachgedacht werden: Frühstücksräume, die auch als Tagungsräume dienen können, Tagungsräume, die für Kulturveranstaltungen genutzt werden, flexible öffentliche Räume im Hotel (überall Frühstücken, Arbeiten, Lesen, Relaxen), flexible Angebote in der Gastronomie (Frühstück rund um die Uhr, gemeinsam Essen an großen Tischen statt Halbpension), fantasievollere Angebote für Feste (Komplett-Sorglos-Pakete mit Programm, Weddingplanner inklusive). Auch die steigenden Baukosten muss man in den Griff bekommen, zum Beispiel durch bessere Planung, wirtschaftlichere Zimmerabmessungen und Möblierung (Möbel bei Bedarf „verschwinden“ lassen), Anpassungen an Long-Stay-Nutzung.

Man könnte hier noch fortfahren. Wichtig bleibt vor allem der Blick aus der eigenen Lobby oder Küche: Wie machen es die anderen? Was könnte ich davon übernehmen? Bessere Zusammenarbeit vor Ort: Mit „Konkurrenten“, aus denen Kollegen werden könnten, mit den Bewohnern und Produzenten / Handwerkern vor Ort, mit anderen Tourismusanbietern. Neue attraktive Pakete schnüren und die noch besser vermarkten. Noch gezielter auf bestimmte Gästegruppen fokussieren und denen ein Angebot machen, das sie nicht ausschlagen wollen, auch wenn es mehr kostet.

Die Menschen wollen mehr denn je Urlaub machen, reisen, neue Menschen und Regionen und Traditionen, neue Formen der Kulinarik und Erlebnisse kennen lernen, das Gewohnte verlassen (oder finden), sich inspirieren lassen. Der touristische Hunger war noch nie größer als jetzt. Stillen wir ihn!

Bild: Florian Roost/Unsplash
Beitrag: Thomas Askan Vierich

Dieser Beitrag ist auch auf LinkedIn erschienen.
19. Januar 2022
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